Pessach I: Der Beginn des jüdischen Befreiungsfestes in Deutschland
Das Pessach-Fest, oft auch als das „Fest der ungesäuerten Brote“ bezeichnet, gehört zu den bedeutendsten und traditionsreichsten Feiertagen des Judentums. Es markiert den Beginn einer achttägigen Reise durch die Geschichte, den Glauben und die kulturelle Identität. Wenn wir über den ersten Tag von Pessach (Pessach I) in Deutschland sprechen, betrachten wir ein Fest, das tief in der biblischen Überlieferung verwurzelt ist und gleichzeitig in der modernen deutschen Gesellschaft eine besondere Rolle einnimmt. Es ist ein Fest der Freiheit, das an den Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei erinnert – ein Thema, das universelle menschliche Sehnsüchte nach Selbstbestimmung und Würde anspricht.
In Deutschland hat das Pessach-Fest eine vielschichtige Bedeutung. Für die jüdische Gemeinschaft, die nach den dunklen Kapiteln der Geschichte heute wieder ein lebendiger und integraler Bestandteil des Landes ist, stellt Pessach einen Moment des Innehaltens und der Erneuerung dar. Der erste Tag des Festes ist geprägt von einer feierlichen Atmosphäre, die sowohl in den Synagogen als auch in den heimischen Wohnzimmern spürbar ist. Es ist eine Zeit, in der Generationen zusammenkommen, um die Geschichte ihrer Vorfahren zu erzählen, Symbole zu deuten und die Freiheit zu feiern, die heute oft als selbstverständlich wahrgenommen wird.
Was diesen Tag in Deutschland so besonders macht, ist die Verbindung aus jahrtausendealter religiöser Praxis und der spezifischen regionalen Gesetzgebung. Während Pessach weltweit von Juden gefeiert wird, genießt der erste Tag in bestimmten deutschen Bundesländern einen besonderen rechtlichen Status. Dies spiegelt die Anerkennung der jüdischen Kultur und Religion im öffentlichen Leben wider. Es ist ein Tag, an dem das hektische moderne Leben für viele Menschen eine Pause einlegt, um Platz für Reflexion, Gebet und das traditionelle Seder-Mahl zu schaffen, das bereits am Vorabend den Auftakt bildet.
Wann findet Pessach I im Jahr 2026 statt?
Das Datum von Pessach orientiert sich am jüdischen Lunisolar-Kalender und fällt traditionell auf den 15. Tag des Monats Nisan. Da dieser Kalender sich nach den Mondphasen richtet, verschiebt sich das Datum im gregorianischen Kalender jedes Jahr.
Im Jahr 2026 fällt der erste Tag von Pessach (Pessach I) auf:
Wochentag: Thursday
Datum: April 2, 2026
Countdown: Es verbleiben noch 89 Tage bis zu diesem Feiertag.
Da das jüdische Fest bereits am Vorabend mit dem Sonnenuntergang beginnt, startet die feierliche Zeit eigentlich schon am Mittwochabend, dem 1. April 2026. Dies ist der Zeitpunkt, an dem das erste Seder-Mahl stattfindet. Der April 2, 2026 ist dann der erste volle Festtag. Pessach ist ein bewegliches Fest, das meist in den Zeitraum zwischen Ende März und Ende April fällt und oft eng mit der christlichen Osterzeit korreliert. Im Jahr 2026 liegt Pessach unmittelbar vor dem Karfreitag (3. April), was zu einer seltenen und interessanten Häufung religiöser Feiertage in Deutschland führt.
Die Geschichte und die Ursprünge von Pessach
Die Wurzeln von Pessach liegen über 3.000 Jahre zurück und finden sich im biblischen Buch Exodus (2. Buch Mose). Die Erzählung ist dramatisch und bildet das Fundament der jüdischen Identität: Das Volk Israel lebte als Sklavenvolk unter der Herrschaft des Pharaos in Ägypten. Gott berief Mose, um sein Volk in die Freiheit zu führen. Als der Pharao sich weigerte, die Israeliten ziehen zu lassen, suchten zehn Plagen Ägypten heim.
Der Name „Pessach“ leitet sich vom hebräischen Wort für „Vorübergehen“ oder „Überspringen“ ab. Dies bezieht sich auf die zehnte und schrecklichste Plage, den Tod der Erstgeburt. Die Israeliten wurden angewiesen, die Türpfosten ihrer Häuser mit dem Blut eines Lammes zu markieren, damit der Todesengel an ihren Häusern „vorübergehen“ würde. Nach dieser Plage ließ der Pharao das Volk schließlich ziehen. Die Flucht erfolgte in solcher Eile, dass der Brotteig keine Zeit mehr hatte zu säuern und aufzugehen. Aus diesem Grund essen Juden während der gesamten Pessach-Woche nur ungesäuertes Brot, die sogenannte Matze.
In Deutschland wird diese Geschichte nicht nur als historisches Ereignis betrachtet, sondern als eine fortwährende Mahnung gegen Unterdrückung. Nach der Shoah hat das Fest für die in Deutschland lebenden Juden eine zusätzliche Dimension erhalten: Es ist ein Symbol für das Überleben und den Wiederaufbau jüdischen Lebens in einem Land, das einst versucht hatte, dieses Leben auszulöschen. Die Erzählung vom Auszug aus Ägypten wird so zu einer universellen Botschaft der Hoffnung.
Wie die Menschen in Deutschland den Tag feiern
Die Feierlichkeiten zu Pessach in Deutschland sind eine Mischung aus strenger religiöser Observanz und familiärer Gemeinschaft. Da die jüdische Gemeinschaft in Städten wie Berlin, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf besonders stark vertreten ist, gibt es dort ein vielfältiges Angebot an rituellen Feiern.
Der Vorabend: Das Seder-Mahl
Obwohl der April 2, 2026 der offizielle erste Feiertag ist, beginnt das eigentliche Erlebnis am Vorabend. Das Seder-Mahl (Seder bedeutet „Ordnung“) ist das Herzstück des Festes. Familien und Freunde versammeln sich um einen festlich gedeckten Tisch. Im Zentrum steht der Seder-Teller, auf dem verschiedene symbolische Speisen angeordnet sind:
Matze: Drei Scheiben ungesäuertes Brot, die an die Eile beim Auszug erinnern.
Maror: Bitterkräuter (meist Meerrettich), die die Bitterkeit der Sklaverei symbolisieren.
Charoset: Eine süße Mischung aus Äpfeln, Nüssen, Wein und Zimt, die wie der Lehm aussieht, mit dem die Sklaven Ziegel brennen mussten.
Karpas: Ein grünes Gemüse (oft Petersilie), das in Salzwasser getaucht wird, um die Tränen der Sklaven darzustellen.
Sroa: Ein gerösteter Knochen, der an das Pessach-Opfer im Tempel erinnert.
Beitzah: Ein hartgekochtes Ei als Symbol für die Trauer um die Zerstörung des Tempels, aber auch für den Kreislauf des Lebens.
Während des Mahls wird die „Haggada“ gelesen, ein Buch, das die Geschichte des Auszugs erzählt. Es wird viel gesungen, diskutiert und gelacht. In Deutschland bieten viele jüdische Gemeinden auch „Gemeinschafts-Seder“ an, damit niemand diesen wichtigen Abend alleine verbringen muss. Besonders für Expats oder Reisende sind diese Veranstaltungen in Städten wie Berlin eine wunderbare Möglichkeit, die Traditionen kennenzulernen.
Der erste Tag (Pessach I)
Am eigentlichen ersten Tag, dem April 2, 2026, besuchen viele Gläubige den Gottesdienst in der Synagoge. In den Bundesländern, in denen der Tag ein gesetzlicher Feiertag ist (Bayern, Bremen, Saarland), herrscht eine ruhigere Atmosphäre. Für orthodoxe Juden gelten an diesem Tag ähnliche Regeln wie am Schabbat: Arbeit ist untersagt, ebenso wie das Bedienen von elektrischen Geräten oder das Autofahren. Der Fokus liegt ganz auf der Spiritualität und der Familie.
Traditionen und Bräuche in Deutschland
Ein besonderer Aspekt von Pessach ist die gründliche Reinigung des Hauses in den Tagen vor dem Fest. In jüdischen Haushalten in Deutschland wird jedes Körnchen „Chametz“ (Gesäuertes) entfernt. Dazu gehören Brot, Nudeln, Bier und alles, was aus Getreide hergestellt wurde und gären konnte. Viele Familien nutzen dies für einen Frühjahrsputz im wahrsten Sinne des Wortes. In einigen Gemeinden gibt es sogar die Tradition, das letzte Chametz rituell zu verbrennen.
In der deutschen Diaspora dauert Pessach acht Tage (in Israel nur sieben). Der erste und der zweite Tag (sowie die letzten zwei Tage) gelten als volle Feiertage (Jom Tow), an denen die Arbeitsruhe eingehalten wird. Die dazwischenliegenden Tage werden „Chol HaMoed“ genannt – Halbfiertage, an denen gearbeitet werden darf, aber dennoch die Speisevorschriften von Pessach gelten.
Kulinarisch hat sich in Deutschland eine eigene Tradition entwickelt. Da es oft schwierig ist, koschere Lebensmittel für Pessach im normalen Supermarkt zu finden, gibt es in Großstädten spezialisierte Läden oder Abteilungen in großen Warenhäusern (wie dem KaDeWe in Berlin), die Matzen, koscheren Wein und spezielle Süßigkeiten anbieten. Ein typisches Gericht in deutschen jüdischen Haushalten während dieser Zeit ist die Matzeknödel-Suppe (Matzah Ball Soup), die oft als „jüdisches Penicillin“ bezeichnet wird.
Praktische Informationen für Besucher und Expats
Wenn Sie planen, während Pessach im Jahr 2026 in Deutschland zu sein, gibt es einige Dinge zu beachten:
- Öffnungszeiten: Beachten Sie, dass in Bayern, Bremen und dem Saarland Schulen, Banken und Behörden am April 2, 2026 geschlossen sein können oder nur eingeschränkt arbeiten. In den anderen Bundesländern läuft der Alltag normal weiter, jedoch haben jüdische Einrichtungen bundesweit geschlossen.
- Einkaufen: Wenn Sie koschere Produkte suchen, sollten Sie sich frühzeitig informieren. Die Nachfrage ist groß und die Bestände in den wenigen spezialisierten Läden sind oft schnell erschöpft. In normalen Supermärkten finden Sie während dieser Zeit oft Matze in der Abteilung für internationale Spezialitäten.
- Respektvolles Verhalten: Wenn Sie in der Nähe einer Synagoge unterwegs sind, verhalten Sie sich ruhig. Sollten Sie zu einem Seder-Mahl eingeladen werden, ist es eine schöne Geste, koscheren Wein oder Blumen mitzubringen. Vermeiden Sie es jedoch, Brot oder Gebäck mitzubringen, da dies gegen die Speisevorschriften verstößt.
- Öffentlicher Nahverkehr: Busse und Bahnen verkehren in ganz Deutschland nach dem regulären Fahrplan für Werktage (außer in den genannten Bundesländern, wo unter Umständen der Ferien- oder Feiertagsplan gilt).
- Klima: Der April in Deutschland ist bekannt für sein wechselhaftes Wetter („Aprilwetter“). Es kann mild und sonnig sein (um die 15°C), aber auch plötzliche Regenschauer oder kühle Winde sind keine Seltenheit. Kleiden Sie sich am besten im Zwiebelprinzip, wenn Sie an den Feiertagen spazieren gehen möchten.
Ist Pessach I ein gesetzlicher Feiertag?
Dies ist ein Punkt, der oft für Verwirrung sorgt. Deutschland ist föderal organisiert, was bedeutet, dass Feiertagsregelungen Ländersache sind.
Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen: In diesen Bundesländern ist Pessach I
kein gesetzlicher Feiertag. Geschäfte, Schulen und Büros sind normal geöffnet. Jüdische Schüler und Arbeitnehmer haben jedoch oft das Recht, sich aus religiösen Gründen befreien zu lassen.
- Bayern, Bremen, Saarland: Hier hat der erste Tag von Pessach einen besonderen Status als begrenzter gesetzlicher Feiertag. Das bedeutet, dass Schulen geschlossen bleiben und viele öffentliche Institutionen sowie Banken nicht arbeiten. Der Einzelhandel ist in der Regel dennoch geöffnet, es sei denn, der Tag fällt auf einen Sonntag.
Für das Jahr 2026 bedeutet das: Wer in München, Bremen oder Saarbrücken lebt, wird am Donnerstag, den April 2, 2026, eine deutliche Veränderung im öffentlichen Leben spüren. Für den Rest Deutschlands ist es ein normaler Arbeitstag, an dem die jüdische Gemeinschaft jedoch ihre religiösen Riten pflegt.
Die Bedeutung von Pessach in der heutigen Gesellschaft
In einer Zeit, in der religiöse Vielfalt und interkultureller Dialog immer wichtiger werden, bietet Pessach eine Gelegenheit für alle Bürger in Deutschland, sich mit den Werten der Freiheit und der Toleranz auseinanderzusetzen. Viele jüdische Gemeinden öffnen ihre Türen für interreligiöse Seder-Abende, an denen auch Christen, Muslime und Konfessionslose teilnehmen können. Dies fördert das Verständnis für die jüdische Kultur und hilft, Vorurteile abzubauen.
Pessach erinnert uns daran, dass Freiheit kein statischer Zustand ist, sondern ein Prozess, der in jeder Generation neu erkämpft und geschätzt werden muss. In Deutschland, einem Land, das seine eigene Geschichte der Befreiung von Diktaturen hat, resonieren diese Themen besonders stark. Der April 2, 2026 ist somit mehr als nur ein religiöses Datum im Kalender; er ist ein Tag des Gedenkens, der Hoffnung und der universellen Sehnsucht nach einer Welt ohne Unterdrückung.
Zusammenfassung für das Jahr 2026
Wenn der Frühling Einzug hält und die Natur zu neuem Leben erwacht, bereitet sich die jüdische Gemeinschaft in Deutschland auf Pessach vor. Es ist eine Zeit der Reinigung – sowohl der physischen Umgebung als auch des Geistes. Ob man nun die strengen Regeln der Halacha befolgt oder das Fest eher als kulturelles Ereignis im Kreise der Familie feiert, die Botschaft bleibt gleich: Freiheit ist das höchste Gut.
Genießen Sie die besondere Atmosphäre dieses Tages, sei es bei einem Spaziergang durch die Frühlingslandschaft Bayerns oder beim Besuch eines kulturellen Angebots in Berlin. Der erste Tag von Pessach am April 2, 2026 lädt dazu ein, über die eigene Geschichte nachzudenken und die Vielfalt der Traditionen zu schätzen, die Deutschland heute prägen. Es sind noch 89 Tage bis zu diesem bedeutsamen Fest – genug Zeit, um sich vorzubereiten, vielleicht ein Rezept für Matzeknödel auszuprobieren oder mehr über die reiche jüdische Geschichte in Ihrer Region zu erfahren.
Pessach Sameach – ein frohes und koscheres Pessach-Fest